Schildthurn (ca. 40 km)

 
 

Wie die Kirchtürme von Taubenbach, Eggenfelden oder Braunau zählt auch jener von Schildthurn von seiner Struktur und architektonischen Gestalt her zu den Meisterleistungen einheimischer Baukunst der Gotik.  

Eben dieser Backsteinturm von St. Ägidius inmitten des mittleren Rott-Inn-Hügellandes, um 1530 vollendet, gilt mit seinen 78 Metern als einer der höchsten Dorfkirchtürme der Welt.  

 


Bad Füssing - Kur, Therme, Bayern

 

Wenn auch die um 1480 errichtete Kirche im äußeren Erscheinungsbild ihre mittelalterliche Substanz bewahrt hat, so wurde doch ihr Inneres in späterer Zeit teilweise verändert. Die Ostwand des Chores trägt noch die spätgotischen Wandmalereien. Der Hochaltar von 1660 zählt zu den hervorragendsten Werken des Manierisums im Landkreis. Auch Kanzel und Empore stammen aus dieser Zeit. Erwähnenswert sind die Seitenaltäre mit Bildschnitzarbeiten von Johann Wenzel Jorhan aus Griesbach (JORHAN). Die Wallfahrt nach Schildthurn war sehr bedeutend. Neben dem Hauptpatron St. Ägidius, der vor allem von stillenden Müttern angerufen wurde, verehrte man hier die drei heiligen Jungfrauen Einbeth, Vilbeth und Warbeth. Es wurde ihnen auch ein Seitenaltar gewidmet. Sie galten als Fürsprecherinnen der Mütter in Nöten. Da man in Schildthurn auch um Kindersegen bat, war es Brauch, silberne Wiegen zu stiften und diese vor dem Altar zu schaukeln. Leider hat sich bis heute nur noch eine dieser Wiegen erhalten. Ansonsten zeigen Innenarchitektur und Dekoration, was den zurückhaltenden Deckenstuck und die Freske im Chorraum betreffen, spätbarocke Prägung. Schildthurn ist ein Beispiel von vielen im Rottal existierenden Dorfkirchen, die abgelegen von Residenzen und Klöstern, gebildet und geprägt von der bodenständigen Bevölkerung, eigene Wege zu Form und Ausdruck fanden.