Vornbach (ca. 20 km)

 

Die ehemalige Benediktinerabteikirche Vornbach, seit 1803 Pfarrkirche, sowie die einstigen Klostergebäude, die heute im Privatbesitz sind, befinden sich in einer der schönsten Ortschaften Bayerns. Die Wahl der Anlage beeinflußte der sich an dieser Stelle verengende Inn; dies ließ eine bessere Kontrolle der Innschiffahrt zu.  

Die Klostergründung steht mit zwei Persönlichkeiten aus dem Grafengeschlecht der Vornbacher in Verbindung.  

 


Bad Füssing - Kur, Therme, Bayern

 

Gräfin Himiltrudis (Gedenkstein um 1300 in der Kirche) soll bereits 1040 ein Kloster gestiftet haben. Die eigentliche Klostergründung, die in das Jahr 1094 zurückgeht, verdankt man der Großzügigkeit des Grafen Ekbert, der auf seinen neuen Besitz, die wenige Kilometer innabwärts gelegene Neuburg, verzog. Das Kloster wurde mit Benediktinern aus Kloster Göttweig (Wachau) besetzt. Beim barocken Umbau fanden der Grundriß der um 1125 begonnen Basilika, das Mauerwerk sowie der Chor aus der Gotik Berücksichtigung. Aufgrund architektonischer Elemente ist der noch unbekannte Baumeister im Münchener Künstlerkreis zu suchen. Es handelt sich um einen einschiffigen Raum mit Tonnengewölbe und eingezogenem Chor. Zwischen Kapellen und Fensterzonen befinden sich verdeckte Oratoriengänge. Der Südtiroler Innozenz Anton Warathy, der in Burghausen ansässig war, wurde 1728 mit einem marianischen Freskenprogramm, welches mit Szenen aus dem Alten Testament in Verbindung gebracht wird, beauftragt. Die Aldersbacher Lösung, ein Deckengemälde über mehrere Joche zu spannen, wurde hier bereits zum Vorbild genommen. Warathy arbeitete vorher, wie auch der Oberösterreicher Franz Joseph Ignaz Holzinger (HOLZINGER) im Kloster Metten, von welchem beide wahrscheinlich empfohlen wurden. In der Zeit von 1728-1733 gestaltete Holzinger den Großteil der Stukkaturen des Kirchenraumes, den Hochaltar, die Stuckmarmorkanzel und die beiden Stuckgruppen in der Vorhalle. Bei genauer Betrachtung des Stucks ist deutlich eine zweite Künstlerhand erkennbar. Holzingers einstiger Gehilfe Johann Baptist Modler kehrte 1766 nach Vornbach zurück und stuckierte die Westfront beiderseits der Orgel und die Eingangsjoche unter der Empore (MODLER). Obwohl Modler nach 1760 das ostbayerische Rokoko, geprägt durch den Wessobrunner Stil, zur Vollendung gebracht hatte, paßte er sich hier noch deutlich dem Stil Holzingers an. Das vom österreichischen Maler Bartholomäus Altomonte stammende Hochaltarblatt sollte gleichfalls Beachtung finden. Ebenso dürfen die spätgotischen Skulpturen wie die Anna Selbdritt oder die sitzende Marienfigur nicht übersehen werden. Auch sollte das Nordportal aus dem Jahr 1630 Beachtung finden. Auf dem Gebiet der Orgelbaukunst bietet das Kloster Vornbach mit seiner Egedacher-Orgel eine Besonderheit, da sich hinter dem mit schmalen Lisenen und Tulpenstützen siebenfach gegliederten Prospekt sogar das Egedachersche Spielwerk erhalten hat (EGEDACHER). 1732 entstand die Vornbacher Hauptorgel, 1737 das Vornbacher Positiv (heute in der Lambergkapelle in Passau). Hier zeigen sich auch die für Egedacher wichtigen Schleierverzierungen, die in Form eines Dreiecks mit der Spitze nach unten weisen. Neben der Kirchenbefestigung ist ein Besuch auf dem idyllisch gelegenen Friedhof empfehlenswert. Der erhalten gebliebene Chor der einstigen Klosterpfarrkirche St. Martin mit seinen spätgotischen Fresken wird heute als Friedhofskapelle genutzt.