Würding - Brunnen, alte Taverne

Geschichte Bad Füssings

Bohrturm zu den Anfängen

 

Bad Füssing: Erdöl gesucht - eine legendäre Heilquelle gefunden

Die Geschichte in Basisinformation

Das Wunder von Niederbayern oder anders: Ein Geschenk der im Inntal-Untergrund quirligen Natur. Das Heilbad in den Inn-Auen nahe Passau: Am Anfang ein bäuerlicher Weiler mit 6 Bauernhöfen. Heute längst ein weltweit bekanntes Kurziel mit rund 13.500 Gästebetten in Sanatorien und Kurhotels, Hotels und privaten Gästehäusern. Der Aufschwung vom Weiler zum führenden Heilbad und Kurort begann vor wenigen Jahren.

Die Anfänge und erste Folgerungen

Die Entwicklung bis hin zum Heilbad begann bereits vor dem 2. Weltkrieg mit einer „von ganz oben“ angeordneten Reichsbodenforschung. Eine damit beauftragte Institution führte seinerzeit in unserem Raum, vertreten durch die damalige Bayerische Mineralölindustrie, Untersuchungen zur Entdeckung von Bodenschätzen durch. Dazu gehörten erste Versuchsbohrungen auf einem Acker unweit des Weilers Füssing. Dabei wurde in etwa 1.000 Meter Tiefe nicht Öl und nicht einmal Erdgas gefunden, sondern Besseres: Mit einem Druck von 5,2 atü stieg plötzlich Thermalwasser auf, 56 Grad Celsius warm und 3.000 Liter in der Minute. Man schrieb das Jahr 1938.

Die Nutzung dieses Thermalwassers wurde jedoch vom Reichsbäderkuratorium im Hinblick auf die erst ins Reich zurückgekehrten Bäder im nordböhmischen Raum untersagt. Die Entwicklung Füssings konnte damit erst nach 1945 beginnen, als Karlsbad, Franzensbad und Marienbad für die Deutschen praktisch unerreichbar geworden waren.

Angehörige eines in der Nähe gelegenen Ausländer-Lagers benutzten zunächst das Thermalwasser zu Reinigungszwecken. Gesundheitsoffiziere, die dieses Lager betreuten, könnten für sich in Anspruch nehmen, als erste erkannt zu haben, dass in diesem Thermalwasser eine außergewöhnliche Heilkraft steckt. Nach Bekanntwerden einer Reihe von Heilerfolgen hat das Balneologische Institut an der Universität München hier in Füssing eine ärztlich geleitete Außenstelle der medizinisch-klimatologischen Abteilung errichtet. Im November 1953 wurde von diesem Institut ein Gutachten veröffentlicht, nach welchem die Füssinger Therme geradezu ideale Voraussetzungen hat für die Behandlung von Lähmungen, Arthrosen, bestimmten Hauterkrankungen und schließlich rheumatischen Erkrankungen der Muskulatur und der Gelenke.

Dieses Gutachten und vor allem die begeisterten Stimmen von Patienten, die in Bad Füssing völlige Heilung oder zumindest Linderung gefunden haben, ließen die Quelle in kurzer Zeit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt werden.

Die Nutzungsrechte der Bad Füssinger Thermalquelle, die anfänglich noch von der Bayerischen Mineralölindustrie ausgeübt wurden, gingen im Jahre 1955 an eine private Gesellschaft über, nämlich an die Thermalbad Füssing GmbH. Diese Gesellschaft errichtete noch im selben Jahr weitere Bademöglichkeiten und im bescheidenen Umfang auch Einrichtungen für die medizinische Betreuung der Gäste. In diesem Jahr 1955 ließ sich in Füssing ein erster Badearzt nieder.

Eine weitere Entwicklung bremste aber anfangs noch das Fehlen von Einrichtungen der Gemeinde für die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung, der Mangel an erschlossenem Bauland und sonstigen Einrichtungen, die für einen Kurort unerlässlich sind.

Die Gemeinde Safferstetten mit 600 Einwohnern und ihrem Haushaltsvolumen vom DM 40.000,-- war zu diesem Zeitpunkt weder verwaltungsmäßig noch finanziell in der Lage, die Einrichtungen in Auftrag zu geben.

Der Freistaat Bayern, auf die ungewöhnlichen Heilerfolge aufmerksam geworden, begann die Erschließung Füssings zu fördern.
Zunächst musste aber ein Träger für diese Aufgaben gefunden werden. Der Zweckverband Bad Füssing, bestehend aus dem Bezirk Niederbayern, dem ehemaligen Landkreis Griesbach im Rottal und der ehemaligen Gemeinde Safferstetten, übernahm diese Aufgabe im Jahre 1958.
Unter ständiger Konsultation der Ortsplanungsstelle bei der Regierung von Niederbayern, der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Inneren und des bekannten Städteplaners Prof. Angerer an der TH München wurde von der Gemeinde ein Bebauungsplan in Auftrag gegeben.
Zur Verwirklichung dieses Plans musste aber erst eine Baulandumlegung durchgeführt werden. In dieser Baulandumlegung wurden baugerechte Grundstücksformen geschaffen. Gleichzeitig wurden von den beteiligten Grundstückseigentümern 27% der eingelegten Grundstücksflächen (40 ha) kostenlos als öffentliche Flächen für Straßen, Gehsteige, Parkplätze und Grünstreifen an den Zweckverband abgetreten.
Daraufhin konnte vom Zweckverband mit dem Bau der Erschließungsanlagen begonnen werden und 1961 wurde ein erstes Kurmittelhaus eröffnet.

Ein weiterer Markstein in der Entwicklung Füssings war die Erbohrung der Quelle II durch den Freistaat Bayern im Jahre 1963 und einer weiteren Bohrung 1964 durch das Ärzte-Ehepaars Zwick.
Damit war die Versorgung Füssings mit Heilwasser gesichert und Möglichkeiten gegeben, weitere Behandlungseinrichtungen zu bauen. Dazu gehörten der Kurpark (Kostenaufwand über 4 Mio. DM), das kleine Kurhaus mit Musikpavillon, Kurgarten, Aufenthalts- und Leseräume.

Mit dem Titel „Bad“, der Füssing am 10.12.1969 verliehen wurde, fanden die gemeinsamen Bemühungen der privaten Unternehmen und der öffentlichen Hand um die Entwicklung dieses Kurortes die Anerkennung der Bayerischen Staatsregierung.

Im Rahmen der Gebietsreform wurden am 01.04.1971 die Gemeinden Egglfing am Inn, Safferstetten und Würding zur neuen Gemeinde Bad Füssing mit zur Zeit rund 6.300 Einwohner zusammengelegt. Diesem Zusammenschluss folgte zum 01.01.1972 eine weitere Eingliederung, nämlich die der Gemeinde Aigen am Inn.

Das große Kurhaus

Bedingt durch die Attraktivität der mittlerweile weithin bekannten sulfid-schwefelhaltigen Natrium-Hydrogencarbonat-Chlorid-Thermen (56°C), hat sich Bad Füssing auch in seinem medizinischen Programm ausgeweitet; vor allem medizinische Vorträge u. ä. ließen den kleinen Kursaal mit 450 Sitzplätzen bald zu klein werden. Die Folge war

1980 die Eröffnung eines neuen großen Kurhauses mit
- einem großen Kursaal (950 Sitzplätze, Größe rund 800 m², plus Galerie über dem Saal) mit einer Mittelbühne (144 m² Haupt-, 170 m² Vorbühne)
- Foyer und Garderobenflächen
- einem Konferenzraum mit 170 m² (durch Faltwand veränderbar)
- Leseraum mit 175 m²
- Kino mit ca. 150 Plätzen (160 m² und 11 nach hinten ansteigenden Sitzreihen)
- Spiel-, Schreib- und Aufenthaltsräumen
- Restaurant mit rund. 150 Sitzplätzen und Südterrasse
  Das Raumangebot des großen Kurhauses entspricht mit den Räumlichkeiten im kleinen Kurhaus der zukünftigen Entwicklung Bad Füssings, insbesondere auch für Tagungszwecke und den erforderlichen Funktionen.
 
Weitere Entwicklung von Bad Füssing
1986 die Kurgymnastikhalle wird eröffnet
 
1989 Einzug ins neue Kurverwaltungsgebäude;
erster Sieger beim Landeswettbewerb „Unser Lebensraum – naturbewusst gestaltet“ 
 
1994 Ausgestaltung der Evang. Christuskirche durch den international renommierten Maler Christian Ludwig Attersee 
 
1999 Eröffnung der Staatlichen Spielbank Bad Füssing 
 
2002 Fertigstellung und Eröffnung des 18-Loch-Golfplatzes (ThermenGolfClub Bad Füssing-Kirchham)
 
2003 Einweihung des neuen Kurplatzes auf der Kurallee
Eröffnung des „Saunahof Bad Füssing“ an der Therme EINS
 
2004 Im Juni wurde der biovital®BewegungsParcours eröffnet. Ein Novum in ganz Deutschland!
 
2005 Eröffnung des DSV-Nordic-Walking-Parcours Bad Füssing / neues Streckennetz „Pockinger Heide“ (167 km in und um Bad Füssing)
 
2006 Spektakuläre neue Sprudeldüsen, ein neuer Thermalwasserfall, belebende Heiß-Kalt-Becken und ein neues Atrium Dampfbad erwarten die Gäste der Therme EINS
 
2007 Bad Füssing startet Pilotprojekt: Treffpunkt Gesundheit - Persönliche Gesundheitsberater helfen den Gästen in Europas übernachtungsstärkstem Kurort künftig durch das Therapieangebot und beim fit bleiben
 
2008 Eröffnung von Europas erster Kartoffelsauna im Saunahof der Therme EINS
 
2009 Wiedereröffnung des Großen Kurhauses nach aufwändiger Sanierung
 
2010 Eröffnung des Kur- & GästeService nach Umbau und Modernisierung
Einweihung des neuen Wellnessbereichs der Therme EINS – „Sinnenreich“
Eröffnung des AeroSalzum in der Europa Therme
 
2011 Eröffnung „Jovitalis“ – neuartiges Center für Medical Fitness, Bewegung, Sport, Reha-Sport, Prävention, Entspannung, Leistungsdiagnostik, Medical Wellness, Beauty und Physiotherapie auf über 2.000 Quadratmetern Fläche im Johannesbad

2013/14  Sanierung des kleinen Außenbeckens der Europa Therme

2015 Kauf einer neuen Kunsteisbahn durch die Gemeinde

Bad Füssings heutige wirtschaftliche Bedeutung
Mittlerweile ist das Heilbad im Herzen des Bayerischen Thermenlandes an die Spitze der Heilbäder Europas aufgerückt. 1980 konnte erstmals in einem Jahr der 100.000ste Kurgast begrüßt werden, 1988 erreichte die Zahl der Gästeübernachtungen über 3 Millionen. 1999 waren es 228.802 Gäste und 2.989.505 Übernachtungen. Im Jahr 2015 konnten über 300.000 Gästeankünfte und mehr als 2,45 Mio. Übernachtungen registriert werden. Die Anzahl der Tagesgäste pro Jahr wird auf rund 1,3 Millionen geschätzt.

Anzahl der Gästebetten:   ca. 13.500   Einwohnerzahl: ca. 7.400

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